Bielefeld. Am Wochenende schließen die Mehrkampfmeisterschaften die Serie der westfälischen Leichtathletik-Titelkämpfe vor der Sommerpause ab. Und das einmal mehr im Stadion Werreanger von Lage, wo schon Mehrkampf-Geschichte geschrieben wurde. So vor knapp 30 Jahren, als bei den Frauen zum letzten Mal der Fünfkampf auf dem Programm stand und die Deutsche Meisterin Sabine Everts alle drei russischen Medaillengewinnerinnen der Olympischen Spiele von Moskau bezwang.
Seither bestreiten die Mehrkämpferinnen sieben Disziplinen, 200-m-Sprint und Speerwurf sind hinzugekommen. Doch auch diese Frage stellte sich immer wieder: Sollten sich die Frauen, die ja längst auch den Stabhochsprung, Dreisprung, Hammerwurf und Hindernislauf praktizieren, im Zuge der sportlichen Angleichung und Emanzipation nicht - wie ihre männlichen Kollegen - im Zehnkampf messen?
Hier und da haben sie das längst getan und die offizielle Weltrekordliste des internationalen Verbandes IAAF führt auch den Zehnkampf. Mit ihren 2005 in den USA erzielten 8.358 Punkten hält die Litauerin Austra Skujyte den Rekord; ihre Stärke war der Kugelstoß (16,42 m). Nur eine weitere Zehnkämpferin, die Französin Marie Collonvillé (8.150 Pkt./2004), schaffte bislang einen "Achttausender".
Den inoffiziellen deutschen Rekord hält seit 1997 die Mainzerin Mona Steigauf, deren 7.885 Punkte aber nicht ganz kompatibel sind: Sie wurden nach der männlichen Disziplinen-Reihenfolge erzielt, während international eine andere Verteilung auf die beiden Wettkampftage vorgesehen ist.
Wie auch immer: Die noch vor wenigen Jahren von der IAAF angestrebte Ablösung des Siebenkampfs durch den Zehnkampf ist vorerst vom Tisch. "Die meisten Top-Siebenkämpferinnen haben dagegen opponiert", so ein Sprecher des DLV, "dieser massive Widerstand hat bewirkt, dass derzeit niemand die Zehnkampf-Option vorantreiben will."
Bislang hat sich noch keine Bielefelderin im Zehnkampf versucht. Vor 20 oder 25 Jahren wäre die vielseitige Fichte-Athletin Kerstin Poltrock eine Kandidatin gewesen; doch auch ihr fehlte damals die Zeit, sich eingehend mit dem Stabhochsprung zu beschäftigen. Sie bleibt aber die herausragende Bielefelder Siebenkämpferin, hält mit ihren 1984 als Westfälische Juniorenmeisterin (auch in Lage!) erzielten 5.239 Punkten noch immer unangefochten den Kreisrekord und verbesserte sich ein Jahr später im Trikot des LC Paderborn auf den damaligen OWL-Rekord von 5.429 Punkten.
Apropos Westfalenmeisterschaften: Die Fünfkampf-Ära, in der übrigens zweimal (1950 und 1952) die Königsbrügge Austragungsort war, brachte 1956 in Hamm einen ersten Bielefelder Erfolg, als Ingrid Hillebrand (PSV) den Frauentitel gewann.
Der Siebenkämpferin Kerstin Poltrock gelang schon in der A-Jugend ein "Fünftausender"; ihre 5.138 Punkte (1982) hätten anno 2009 übrigens noch zum 8. Rang in der deutschen U20-Bestenliste gereicht.
In der Kreisrekordliste (siehe untenstehender Kasten) besteht zur mehr als 900 Zähler niedrigeren B-Jugend-Bestmarke noch eine riesige Kluft: 1996 legte die Hochsprungspezialistin Christine Grünhoff 4.209 Punkte vor. Der Hochsprung zählt auch zu den Trümpfen der Brackwederin Annike Schultze (Bestleistung 3.958 Pkt.), die am Wochenende im Mehrkampf-Mekka Lage eine gute Chance hat, erstmals die 4.000-er Marke zu übertreffen. Im Vorjahr wurde sie bei den "Westfälischen" Siebte.
Ihre ein Jahr jüngere Teamkollegin Frauke Pollklesener tritt in Lage mit dem Renommee einer Westfälischen Schülermeisterin 2009 an; das SVB-Trio vervollständigt Kathrin Stier. Der VfB Fichte ist durch den Zehnkämpfer Alexander Maier (MJA) vertreten; Kerstin Poltrock wird diese Titelkämpfe also aus der Trainerperspektive erleben.
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Copyright © Neue Westfälische 2010
Dokument erstellt am 01.07.2010 um 17:05:28 Uhr
Letzte Änderung am 01.07.2010 um 20:20:14 Uhr



